Im Rahmen der Programmlinie „Extremismus in Österreich: Mobilisierungspotenzial internationaler Konflikte“ untersucht das F&E Projekt ECHO, wie soziale Medien zur Meinungsbildung und potenziellen Radikalisierung beitragen. Durch quantitative und qualitative Analysen werden Zusammenhänge zwischen Mediennutzung, extremistischen Narrativen und De- Polarisierungsstrategien erforscht, um praxisorientierte Maßnahmen zur Förderung von Medienkompetenz und demokratischer Resilienz – insbesondere bei Erwachsenen – zu entwickeln.
Projekthintergrund
Aufgrund der Zunahme an gewalttätigen Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen in den letzten Jahren wird intensiv darüber diskutiert, wie die Nutzung sozialer Medien im Zusammenhang mit internationalen Konflikten zur gewaltsamen Eskalation in Österreich beiträgt. Soziale Medien ermöglichen nicht nur eine schnelle Verbreitung von Informationen, darunter auch Falschmeldungen und stark emotionalisierende Inhalte, sondern können auch die grenzüberschreitende Vernetzung radikal eingestellter Gleichgesinnter und gezielte Radikalisierungsprozesse fördern. Das Erkennen und die bewusste Distanzierung von abwertenden Ideologien und extremistischen Narrativen bilden somit wesentliche Elemente zur Stärkung der demokratischen Widerstandsfähigkeit der österreichischen Gesellschaft. Während jedoch die Förderung der Medienkompetenz meist auf Kinder und Jugendliche abzielt, werden Erwachsene, die nicht als „Digital Natives“ gelten (Generation 40+), oft vernachlässigt. Dabei haben sie als Erziehungsberechtigte, Bezugspersonen oder Lehrkräfte erheblichen Einfluss auf junge Menschen und prägen deren Einstellungen maßgeblich. Forschungs- und Aufklärungsarbeiten für diese Zielgruppe schließen daher eine wichtige Lücke. Im Rahmen einer experimentellen Untersuchung verschiedener De-Polarisierungsstrategien kann gezielt auf diesen Bedarf eingegangen werden.
Projektstruktur und Methodologie
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ECHO setzt sich mit den genannten Herausforderungen auseinander. Hierfür werden verschiedene empirische und analytische Methoden exploriert und ein Anforderungskatalog erstellt. ECHO basiert auf einer multithematischen quantitativen Umfrage zur Nutzung sozialer Medien und internationalen Konflikten in Österreich. Es geht über den vorhandenen deskriptiven Forschungsstand hinaus und untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Mediennutzung und der Informationsverarbeitung außerösterreichischer und internationaler Konflikte. Diese Kontextualisierung unter Betrachtung identifizierter Radikalisierungsindikatoren, die Reflektion verschiedener Mediennutzungsverhalten sowie Prozesse der Informationsverarbeitung werden dabei im Rahmen einer qualitativen Forschung durch Expert:inneninterviews unterstützt. Eine anknüpfende retrospektive Fallstudienanalyse, die durch eine multimethodische Untersuchung eines gewaltvollen Konflikts im öffentlichen Raum in Österreich umgesetzt wird, nutzt validierte Analysemethoden bedarfsorientiert zur Untersuchung von Verbreitungsgeografien und - geschwindigkeiten extremistischer Inhalte. Hierbei wird Machine-Learning-gestützte Inhaltskategorisierung eingesetzt, die relevante Kategorien wie Hassrede, polarisierende Inhalte und extremistische Narrative identifiziert.
Darauf aufbauend werden maßgeschneiderte Lösungen entwickelt, die spezifische Materialien und Methoden zur De-Polarisierung sowie zur Förderung der Medienkompetenz umfassen. Die angestrebten Ergebnisse beinhalten einen fundierten Erkenntnisgewinn zur Nutzung sozialer Medien über verschiedene Alters- und Bevölkerungsgruppen hinweg, die Identifizierung von Radikalisierungsindikatoren und die Umsetzung dieser Erkenntnisse in praxisnahe Präventionsmaßnahmen. Auf Grundlage der durchgeführten Forschung werden zudem Materialien zur Förderung von Medienkompetenz und Resilienz erstellt, die als Basis für Handlungsempfehlungen und Reflexionsangebote dienen sollen.
Projektziele
Risiken verstehen:
Identifizierung von Radikalisierungsindikatoren durch theoretische und empirische Themenexploration mittels quantitativer Umfrage und Expert:inneninterviews.
Retrospektive Fallanalyse:
Nachverfolgung von Verbreitungsgeografien und -geschwindigkeiten sozialer Medieninhalte, die zur gewaltvollen Konfliktaustragung im öffentlichen Raum führen.
De-Polarisierungsstrategie:
Erstellung von Materialien zur De-Polarisierung und Förderung von Medienkompetenz.
Experimentelle Wirkungsprüfung:
Testung verschiedener De-Polarisierungsansätze im Workshop Setting.
Verbreitung und Praxistransfer:
Ergebnisaufbereitung, Vernetzung und Verbreitung ausgewählter Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen.
Projektfakten
Dauer
12/2025 bis 07/2026
Programm: KIRAS, F&E-Dienstleistungen, KIRAS F&E-Dienstleistungen (FED) 2024
Projektnummer: FO999926221
Koordination: SYNYO GmbH
